Meine Lieblinge des Jahres

2017 ist vorüber. Ein turbulentes Jahr. Ein Jahr, in dem ich Hörbücher für mich (wieder)entdeckt habe. Mein Jahresziel, 22 Bücher, habe ich locker erreicht. Insgesamt habe ich 49 Bücher gelesen oder gehört. Einige haben mir gar nicht gefallen, ich möchte euch aber lieber fünf Bücher vorstellen, die ich 2017 entdeckt habe und die mir im Gedächtnis bleiben werden.

Sowas von da – Tino Hanekamp

KiWi-Taschenbuch, 2012
ISBN: 978-3-462-04441-6
Broschiert, 304 Seiten

Inhalt:
Es ist Silvester und auf dem Kiez in St. Pauli beginnt die irrste Nacht des Jahres. Nur Oskar Wrobel würde lieber liegen bleiben. Geht aber nicht. Weil ihm gleich sein Leben um die Ohren fliegt. Er betreibt einen Musikclub am Ende der Reeperbahn. Seine Freunde sind seltsam, aber großartig, sein Leben ein Fest. Aber jetzt, während in den Straßen von St. Pauli die Böller explodieren, laufen die Vorbereitungen für die große Abrissparty. Denn Oskar hat Schulden und keine Ahnung, was aus ihm werden soll. Zum Glück bleibt ihm kaum Zeit, darüber nachzudenken, denn ein verzweifelter Ex-Zuhälter stürmt seine Wohnung, sein bester Freund zerbricht am Ruhm, die lebenslustige Nina malt alles schwarz an, im Club geht’s drunter und drüber, und dann sind da noch der tote Elvis, die Innensenatorin und – Mathilda, Mathilda, Mathilda.

Meinung: Dieses Buch ist echt. Unverfälscht und geradezu pulsierend. Verschiedene Handlungsstränge lassen einen nicht zur Ruhe kommen – wieso auch, schließlich ist Oskar auch keine Pause vergönnt. Falls ich es schaffen sollte, bei einem Leser ähnliche Gefühle hervorzulocken, wie es Sowas von da bei mir getan hat, dann habe ich es geschafft.

shtum – Jem Lester

Orion, 2016
ISBN: 1409162982
313 Seiten

Inhalt:
Ben Jewell has hit breaking point. His ten-year-old son Jonah has severe autism and Ben and his wife, Emma, are struggling to cope.
When Ben and Emma fake a separation – a strategic decision to further Jonah’s case in an upcoming tribunal – Ben and Jonah move in with Georg, Ben’s elderly father. In a small house in North London, three generations of men – one who can’t talk; two who won’t – are thrown together.

Meinung: Nachdem ich The Curious Incident of the Dog in the Night-Time von Mark Haddon gelesen hatte, wollte ich noch mehr Romane zum Thema Autismus lesen und bin auf shtum gestoßen. Im Gegensatz zu The curious incident… wird shtum aus der Sicht eines Elternteils, des Vaters von Jonah, erzählt. Solchen Erzählstilen stehe ich generell kritisch gegenüber, doch shtum hat mich begeistert. Neben den Höhen und Tiefen des Alltags erzählt Jem Lester von den bürokratischen/juristischen Hürden des Schulsystems, einer Ehe, die an diesen Hürden nach und nach zerbricht und, was mich am meisten faszinierte und berührte, von der Beziehung zwischen Ben und Georg, seinem Vater. Während Ben für seinen Sohn eine lebenswerte Zukunft sichern möchte, schweigt sein Vater über seine Vergangenheit. shtum hat mich zu Tränen gerührt und eine respekt- und eindrucksvolle Geschichte erzählt, die hoffentlich bald ins Deutsche übersetzt wird.

Die hellen Tage – Zsuzsa Bánk

FISCHER Taschenbuch, 2012
ISBN: 3596184371
544 Seiten

Inhalt: In einer süddeutschen Kleinstadt erlebt das Mädchen Seri helle Tage der Kindheit: Tage, die sie im Garten ihrer Freundin Aja verbringt, die aus einer ungarischen Artistenfamilie stammt und mit ihrer Mutter in einer Baracke am Stadtrand wohnt.
Aber schon die scheinbar heile Welt ihrer Kindheit in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts hat einen unsichtbaren Sprung: Seris Vater starb kurz nach ihrer Geburt, und Ajas Vater, der als Trapezkünstler in einem Zirkus arbeitet, kommt nur einmal im Jahr zu Besuch. Karl, der gemeinsame Freund der Mädchen, hat seinen jüngeren Bruder verloren, der an einem hellblauen Frühlingstag in ein fremdes Auto gestiegen und nie wieder gekommen ist.
Es sind die Mütter, die Karl und die Mädchen durch die Strömungen und Untiefen ihrer Kindheit lotsen und die ihnen beibringen, keine Angst vor dem Leben haben zu müssen und sich in seine Mitte zu begeben.
Zsuzsa Bánk erzählt die Geschichte dreier Familien und begleitet ihre jungen Helden durch ein halbes Leben: Als Seri, Karl und Aja zum Studium nach Rom gehen, wird die Stadt zum Wendepunkt ihrer Biographien – und zur Zerreißprobe für eine Freundschaft zwischen Liebe und Verrat, Schuld und Vergebung.

Meinung: Genauso wie Sowas von da hat mich Die hellen Tage vorallem wegen seiner Authenzität begeistert. Abgesehen davon kann man die beiden Titel jedoch nicht vergleichen. Die hellen Tage erzählt vom bodenständigen Leben in der Kleinstadt mit seinen ganz eigenen Höhen und Tiefen, glücklichen Momenten und Dramen, geschrieben in herrlich bildhafter Sprache.

 

Die Mitte der Welt – Andreas Steinhöfel

Carlsen, 2004
ISBN: 3551353158
480 Seiten

Inhalt: Was immer ein normales Leben auch sein mag – der 17-jährige Phil hat es nie kennengelernt. Denn so ungewöhnlich wie das alte Haus ist, in dem er lebt, so ungewöhnlich sind auch die Menschen, die dort ein- und ausgehen – seine chaotische Mutter Glass, seine verschlossene Zwillingsschwester Dianne und all die anderen. Und dann ist da noch Nicholas, der Unerreichbare, in den Phil sich unsterblich verliebt.

Meinung: Von Anfang an nimmt uns Phil mit in sein ungewöhnliches und chaotisches Leben, das manchmal dem eines jeden anderen Teenagers ziemlich ähnlich ist. Genauso wie Visible, das Haus in dem Phil mit seiner Schwester aufgewachsen ist, ist Die Mitte der Welt voller verwinkelter Geschichten und Handlungsstränge über Familie, die erste Liebe und Erwachsen werden. Eines, der wenigen deutschen LGBT Bücher, das ich gelesen habe. Es kann durchaus mit englischsprachigen mithalten und gehört zu meinen Lieblingsbüchern.

The Hate U Give – Angie Thomas

Walker Books Ltd, 2017
ISBN: 1406372153
448 Seiten

Inhalt: Sixteen-year-old Starr lives in two worlds: the poor neighbourhood where she was born and raised and her posh high school in the suburbs. The uneasy balance between them is shattered when Starr is the only witness to the fatal shooting of her unarmed best friend, Khalil, by a police officer. Now what Starr says could destroy her community. It could also get her killed. Inspired by the Black Lives Matter movement, this is a powerful and gripping YA novel about one girl’s struggle for justice.

Meinung: THUG ist absolut kein leicht zu verdauender Schmöker, den man mal eben nebenbei lesen kann. Polizeigewalt und Rassismus, in dem Fall in Amerika, sind höchstaktuelle und brisante Themen und ich finde, dass Angie Thomas ein gutes Medium gewählt hat, um darauf aufmerksam zu machen. Die Geschichte um Starr ist nervenaufreibend und packend, sie regt zum Nachdenken an.

 

Hattet ihr ein Leseziel für 2017 – falls ja, habt ihr es erreicht?

Take care,

Sam

Lesemonat November

Besonders viel gelesen habe ich im November leider nicht, zwei Bücher habe ich beendet.

Streichquartett – Anne Enquist

Luchterhand Literaturverlag, München 2015
ISBN 9783630874678
Gebunden, 288 Seiten

Inhalt:
Kann Musik uns zu besseren Menschen machen? In einem Streichquartett kommt es auf jeden Einzelnen an, aber auch auf die Beziehungen untereinander. Und die vier Freunde, die abends auf einem Hausboot in Amsterdam zusammenkommen, um zu musizieren, kennen sich schon lange. Die Musik von Mozart oder Schubert hilft ihnen, ihr Leid kurz zu vergessen, den zuweilen tristen Alltag zu erhöhen oder zumindest vorübergehend auszublenden. Doch dann holt sie die Wirklichkeit eines Tages grausam ein …

Meinung:
Enquists Geschichte kommt ganz ohne künstliche Aufregung aus, es ist eine Geschichte aus dem Alltag, die mich in ihren Bann gezogen hat.

4 von 5 Sternen

Die Verschworenen – Ursula Poznanski

Loewe 2013
ISBN 978-3-7855-7921-3
464 Seiten

Inhalt:
In der Stadt unter der Stadt finden Ria und ihre Freunde Zuflucht, doch bald zeigt sich, dass auch hier ein Überleben nicht garantiert ist. Während Aureljo seine Rückkehr in die Sphären vorbereitet, sucht Ria nach Jordans Chronik und findet Fragmente, die sie nicht zur Gänze deuten kann.

Als Lichtblick erweist sich in dieser Zeit, im wahrsten Sinn des Wortes, ihre Freundschaft zu Sandor, mit dem sie immer wieder kurze Ausflüge an die Oberfläche unternimmt und dessen Zuneigung ihr täglich mehr bedeutet.
Doch dann wird Sandor Clanfürst, und mit einem Schlag ist alles anders. Ria sieht sich gezwungen, entgegen ihrer ursprünglichen Absicht gemeinsam mit Aureljo in die Sphären zurückzugehen.

2. Teil der Eleria-Triologie

Meinung: Genauso wie der erste Teil der Triologie hat mich „Die Verschworenen“ von Anfang an gepackt. Vorallem der Bezug zum deutschsprachigen Raum spricht mich an und lässt mich noch mehr mit Ria, Aureljo und den anderen mitfühlen.

4 von 5 Sternen