Repräsentation und so

Hallo zusammen,

nachdem die liebe Lux vor kurzem über Diversität im allgemeinen geschrieben hat, möchte ich heute über Diversität mit Fokus auf Behinderung schreiben.

In der fünften Klasse habe ich angefangen, Fanfiktion zu schreiben, kreatives Schreiben ist seitdem ein fester Bestandteil in meinem Leben. Bereits in meiner zweiten Fanfiktion gab es einen Protagonisten, der querschnittgelähmt war, mittlerweile besteht die Sammlung meiner Protas mit Behinderung aus ebenjenem Jungen mit Querschnittlähmung (plus 1 Nebenfigur in der Geschichte, ebenfalls Querschnitt), ein Junge, der durch einen Unfall erblindet, 3 Figuren mit Hemiparese, mehrere Nebenfiguren mit nicht näher spezifierten Behinderungen, einer Figur von Victor Hugo, die in einer Modern AU Cerebralparese hat (Diparese, Teilzeitrollifahrer) und mehreren Figuren mit psychischen Krankheiten. In meinem Debütroman „Projekt Traumtänzer“ gibt es ebenfalls eine Person mit Behinderung.

Wie ihr euch vielleicht denken könnt, habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, dass in meinen Geschichten Menschen mit Behinderung auftreten und (so hoffe ich doch) ordentlich repräsentiert werden.

Vor einer Weile bin ich auf der Suche nach neuem Lesestoff durch den #diversebooks auf tumblr gescrollt, und habe mal wieder festgestellt, dass dort zu ca. 95% über LGBT+ Bücher oder Bücher mit POC geredet wurde. Behinderung? Fehlanzeige. Ich habe sogar eine Grafik gefunden, die das Problem veranschaulicht.

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Quelle: http://flavorwire.com/558171/book-publishing-is-as-almost-white-as-the-oscars abgerufen am 9.2.16

In 92% der 2015 veröffentlichen Büchern gibt es keine Charaktere mit Behinderung. In den Bereichen Race, Gender und Sexual Orientation gibt es zwar immer noch erschreckend wenig, aber dennoch mehr, Diversität. Aber das ist nicht alles:

Wenn es Charaktere mit Behinderung in Büchern gibt, dann heißt das noch lange nicht, dass keine Stereotypen reproduziert werden oder die Handlung oder die Darstellung des Charakters nicht ableistisch ist.

Fiona A. Kumari Campbell, Senior Lecturer in Disability Studies an der Griffith University in Brisbane, Australien, definiert Ableism als:

ein Netzwerk von Überzeugungen, Prozessen und Praktiken, das eine besondere Art von Selbst und Körper (…) erzeugt, und als perfekt, arttypisch und daher wesentlich und komplett menschlich projiziert. Behinderung ist dann ein minderwertiger Zustand des Menschseins (x, 22.9.16)

Da wären zum Beispiel das nichtbehinderte Mädchen, das den nonverbalen Jungen „rettet“ und ihm eine Möglichkeit gibt, zu kommunizieren. (Finding A Voice – Kim Hood) Oft ist die Behinderung die Handlung. Es dreht sich darum, die Behinderung nach einem Unfall zu akzeptieren, oder „trotzdem“ etwas zu leisten. In manchen Fällen gibt es sogar eine Wunderheilung.

Repräsentation ist wichtig und Menschen sind vielfältiger, als es in den Medien dargestellt wird. Und auch wenn ich nichtbehinderten Autor_innen, die über Charaktere mit Behinderung schreiben, erstmal kritisch gegenüberstehe, so gibt es doch auch positive Beispiele:

Monsterwochen von Ron Koertge, in dem es um Ben und das Erwachsenwerden geht, weniger um seine halbseitige Lähmung. Das Buch wurde 2005 für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert.
Nachruf auf den Mond von Nathan Filer, die Lebensgeschichte des 19-jährigen Matthew Holmes, der schizophren ist. Dieses Buch hat mehrere Preise gewonnen, wie COSTA BOOK AWARDS Book Of The Year 2013 oder den Betty Trask Prize.

Mit der richtigen Herangehensweise und sehr viel Recherche ist es sicherlich auch möglich, als nichtbehinderter Mensch ein respektvolles, akurates und unterhaltsames Buch mit Charakteren, die eine Behinderung haben, zu schreiben.

Kennt ihr gute Beispiele zum Thema Deviersität? Schreibt’s in die Kommentare oder zwitschert es mir zu auf @samswritingacc!